Archiv für den Monat: Oktober 2016

Freundesbrief Nr. 38

20. Oktober 2016
Ob er Ruhe hat? Kaum! Da gibt es zu viele
Zeitfresser 1 wie Medien in Form von Papier, Werbung, so dass der Papiercontainer alle vier Wochen überquillt. PC, TV, Radio, Telefon und dies will gelesen und beantwortet, gesehen, und gehört werden, um auf dem Laufenden zu bleiben

Liebe Freunde

wie es mir geht, so fragen nicht wenige gute Freunde, und ich antworte nicht mehr so oft wie in früheren Zeiten wegen der

Zeitfresser 2: Veranstaltungen, Geburtstage, Jubiläen, Arzttermine, Physiotherapie, religiöse Feiern wie Messen, Beerdigungen, Krankenbesuche; und wenn möglich gehören auch Spaziergänge dazu. Schließlich warten dann viele Freunde auf ihre Post.
Es ist ja schön, dass ich beschäftigt bin und mich nicht einsam fühle.

So habe ich mich dieses Jahr mal wieder zu Exerzitien (geistliche Vorträge) mit absolutem Stillschweigen für 3 Tage – viel zu wenig – zurückgezogen. Es waren erholsame Tage mit einem geistreichen Vortragenden Dr. Gotthard Fuchs, der uns 14 Teilnehmer von 30 – 85 Jahren aus Österreich und Deutschland wieder ins Gleichgewicht brachte und reiche geistliche Kost anbot.
Dr. Gotthard Fuchs hat neben Philosophie, Theologie, Pädagogik studiert. Er war in vielfältigen pastoralen Diensten tätig. In der katholischen Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ schreibt er seit längerer Zeit in einer Themenreihe Mystik im Alltag. Im Bildungshaus der Diözese Klagenfurt in Tainach bei Völkermarkt in Kärnten fand diese Veranstaltung statt. Bin reich beschenkt von diesen Tagen zurückgekehrt.

Nun lese ich heute die Überschrift in der FAZ: Verlieren wir die Türkei? Viele meiner Landsleute übersehen in welcher Krise sich Deutschland befindet? „Verlieren wir unsere Freiheit“? könnte die Überschrift in einigen Jahren heißen. Der Journalist Can Dündar sagte auf der Frankfurter Buchmesse, dass die Türkei das einzig säkulare Land in der islamischen Welt gewesen wäre, das sich zwar über die Religion definiere und zugleich säkular gewesen sei. Lange versuchte die Türkei, den Anschluss an den Westen zu finden indem es mit der Definition lebte, dass religiöse Entscheidungen Privatsache der Individuen sind und nicht politisierbar sind, auch dann nicht, wenn ein überragender Anteil der Staatsbürger derselben Konfession angehört. Daraus folgen eine Reihe von Rechtsprinzipien wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Meinungsfreiheit, staatliche Bildungshoheit und viele andere Freiheiten auf einer Ebene europäischer Werte. Nationalismus, glaubte man, sei durch zwei Weltkriege überwunden und Abgrenzungen zu Ende; und was geschieht derzeit? In der Türkei entsteht derzeit eine islamistische Diktatur. Das darf der EU nicht gleichgültig sein. 80 Prozent der Türken hätten einmal die Aufnahme Türkei in die EU begrüßt. Es sei darum die größte Enttäuschung in der jungen Geschichte der Türkei gewesen, dass man das Land vor der Tür zum Westen habe stehen lassen. So lange, bis auch in der Türkei niemand mehr daran glaubte, dass sie sich einmal öffnen werde. Wenn heute nur mehr ein Drittel der Türken einen Beitritt zur EU befürworten – wenn es die EU überhaupt noch gäbe. Wer glaubt überhaupt noch an die EU? Darüber sollte man nachdenken und nicht Angst haben vor einer Politik der Öffnung.

Allen danke ich für die diversen Grüße und guten Wünsche aus Urlaub und anderen Anlässen und möge uns der Friede durch unseren Einsatz für Fremde und Zuwanderer erhalten bleiben.
So grüße ich Euch gerne, wünsche Frieden und Gottes Segen allen und bin wie immer
Euer Hans Hammer

Pfarrer im Ruhestand
Lärchenweg 4
92272 Freudenberg