Archiv für den Monat: Oktober 2014

Brief aus der Oberpfalz Nr. 32
am Fest der hl. Teresia von Avila

Liebe Freunde,

 

der Sommer geht viel zu rasch zu Ende und damit eine turbulente Zeit im politisch wie auch kirchlichen Geschehen und ebenso in meinem Leben mit mittlerweile vier Krankenhausaufenthalten. Sie haben es ja in meinem letzten Brief gemerkt, wie die Aktivitäten mit meinen persönlichen körperlichen Befindlichkeiten kollidierten und das Leben einerseits beweglich hielten aber auch beschränkten.

 

Weil das letzte Quartal des Jahres angebrochen ist und ein Leben ohne Zukunftsperspektive nichts taugt, darum kurz nochmal ein Rückblick auf das vergangene Treffen in Salzburg und zugleich die Vorausschau für 2015.
Danken möchte ich vor allem Dr. Hans Kogler für die Organisation des letzten Treffens, das vom Wetter wie auch vom Inhalt der zweieinhalb Tage (So. Abend 25. 5. – Mi. 28. 5.) einmalig anregend und belebend war. Die beiden Schwerpunkte Residenz-Dom- und St. Peter mit den Museen wie auch die Führungen in der Festung Hohensalzburg gaben einen wertvollen Einblick in die Geschichte von Politik und Kirche der letzten Jahrhunderte und reichlich Stoff zum Gespräch in der ebenso gastfreundlichen Bildungsstätte St. Virgil. Im Abschlussgespräch des Salzburger Treffens hat sich Frau Angelika Held bereit erklärt, das kommende Jahrestreffen in Bonn vorzubereiten und sie hat auch bereits Kontakt mit dem Collegium Leoninum (dem früheren Klerikalseminar der Erzdiözese Köln, heute 4 Sterne Hotel). Sicher werden sich Freunde aus dem Kölner Raum dafür ebenso melden, wie es umgekehrt im Wiener Raum auch der Fall war.

 

Und wie geht es uns allen? Sicher, wir werden nicht jünger, sondern das Alter fordert seinen Tribut, und das globale Geschehen in Wirtschaft und Politik ängstigt den älteren Menschen mehr als die Jugend; und die kirchliche Entwicklung in Rom und in der Weltkirche gibt Anlass zu vielerlei Gesprächen für Menschen, die sich nach wie vor mit Glaube – Religion und Führung der Kirche(n) beschäftigen. Sicher hat die Diskussion über die verschiedenen Führungsstile von Papst Benedikt und Papst Franziskus bei so Manchen Nachdenklichkeit ausgelöst, und es ist zweifellos so, dass das zweite Vatikanum für viele bis heute Anlass genug gibt, darüber nachzudenken, dass die Phase einer autokratischen Kirche unter einer beinahe EIN-MANN-Führung und mit der strammen Leitung mit fast absoluten Gehorsam nicht mehr zeitgemäß ist. Papst Paul VI., der das letzte Konzil am 8. Dez. 1965 beendet hat, hat ja schon vor ca. 50 Jahren mit dem Verzicht auf die TIARA, der Papstkrone, angedeutet, dass das hierarchische Schema sein Ende fand. Bis heute haben so manche Herren Bischöfe und Kardinäle noch nicht begriffen, dass ein neues Zeitalter längst begonnen hat und Franziskus, der Seelsorgerpapst viel Mühe hat, diese Erkenntnis seinen Mitbrüdern zu vermitteln. Nicht nur die Piusbrüder sind Bremsklötze an der römisch-katholischen Kirche sondern nicht wenige Bischöfe gehören auch dazu, die die Zeichen der Zeit nicht verstehen. Wie erfrischend sind da jene Laien, die anlässlich der Familiensynode über ihr Familienleben erfrischend aber auch ernüchternd berichten. Bisher kamen in kirchlichen Kreisen ja nur zölibatäre Würdenträger zu Wort, und der Laie wurde zwar angehört, aber zu melden hatte er wenig.
Geben wir also die Hoffnung nicht auf, der Hl. Geist ist am Werk, und den „satanischen Rauch, der durch irgendeinen Spalt in den Tempel Gottes eingedrungen sei, um die Früchte des Konzils zu verderben“, wie Papst Paul VI. 1972 in freier Rede sagte, mag es zwar geben, aber der Hl. Geist ist stärker.
Heute kämpft Papst Franziskus um die Selbständigkeit der Bischöfe, die frei und ohne irgendwelchen Druck sich äußern und nicht hinter einer höheren Autorität verstecken sollen. Beten um diesen Geist ist dringend nötig.

 

Wieder danke ich allen guten Freunden und Betern, die durch Grüße und Anrufe oder Mails Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit setzen und so unseren Freundeskreis immer wieder erneuern. Verzeihen Sie, wenn ich nicht auf jeden Gruß reagieren kann und auch da und dort einfach vergesse.

 

Heute, am Festtag der Kirchenlehrerin Theresa von Avila, schließe ich mit dem Gebet „Nichts verwirre dich, nichts erschrecke dich, alles vergeht. Gott ändert sich nicht. Die Geduld erreicht alles. Wer sich an Gott hält, dem fehlt nichts, Gott allein genügt.“

 

Wie immer
Euer Hans Hammer.