Archiv für den Monat: August 2013

Brief aus der Oberpfalz Nr. 29

BILD: flickr Jackal1 Userid: 12355917@N00

Liebe Freunde!

 

Von den ungeahnten Kräften der Sonne habe ich das letzte Mal im März geschrieben und nach einem unendlich langen Winter und kalten Frühling haben sich durch starke tagelange Regenfälle im Monat Mai die Bäche und Flüsse zu Strömen entwickelt die für die Menschen an Donau, Elbe und Oder mit ihren Nebenflüssen zu Hochwasserkatastrophen geführt haben. Aus sog. „Jahrhundertfluten“ werden nun im Zehnjahresrythmus wiederkehrende Plagen für die Menschen am Wasser in Deutschland, Tschechien und Polen. Seit einem Monat meint es die Sonne allzu gut mit uns und von der Klage „kalter Frühling, „allzu nasser Frühsommer“ hatten unsere Mitmenschen nun einen tropenwarmen Sommer beschert bekommen. Weitere Kommentare dazu haben uns alle die Medien geliefert.

Und so schwitzt sich auch Hans Hammer durch diese Tage und denkt darüber nach, was sich so alles ereignet hat und geschah. Da war der sog. Freundestreff der „Ehemaligen“ aus Wien,Teheran und Istanbul, diesmal in Wien vom 9. – 12. Mai. Ergebnis: Wien ist nach wie vor eine sehenswerte und erlebnisreiche Stadt, allerdings für Gespräche zu wenig Zeit und wenn dann zu viele Nebengeräusche in den Lokalen, weil überall gut besetzt.

Die Teilnehmer werden älter und die Geh- wie auch Hör- und Seh-fähigkeit lässt nach und danach darf man schließen: müssen solche Veranstaltungen beschränkt werden und in ruhigeren Gefielden oder Lokalen geplant werden.

Ich selber werde gerne daran teilnehmen, wenn sich unter den bisherigen Teilnehmern jemand findet, der wieder ein solches Treffen organisiert und das Interesse dafür besteht. Beschlüsse darüber sind bisher noch nicht gefasst worden. Gedanken haben sich einige Teilnehmer gemacht. Besonderen Dank für das Wiener Treffen wurde ausgesprochen Ing. Hans Simon, Prof. Dr. Godehard Schwarz für die Organisation und die Führungen.

Im Bereich von Kirche und Welt war wohl die Veranstaltung des Weltjugendtages in Rio de Janeiro eine herausragende Begegnung zwischen Papst Franziskus und der katholischen Jugend vor allem besucht aus dem lateinamerikanischen wie auch nordamerikanischen Bereich mit Abordnungen aus Europa und wenigen Teilnehmern aus dem asiatischen und afrikanischen Bereich. Den größten Anteil der Katholiken in der Welt stellt derzeit der amerikanische Bereich(48,8% aller Katholiken in der Welt).  Franziskus hat die rechten Worte gefunden und die Zeichen gesetzt, die die jungen Leute wohl verstanden haben. Ein kurzer Bericht ist nachlesbar in meiner homepage.

Von meinen Freunden sind derzeit Pf. Klaus Stock, Pf. Josef Schönberger, Pf. Albert Kobler sehr krank und ebenso mein webmaster und langjähriger Freund aus Istanbuler Zeit und jetzt verheiratet mit einen Nichte von mir Stud.Dir. Achim Burgermeister. Das bedrückt mich sehr, weil ich immer mehr spüre, wie arm ein Mensch wird, wenn er Freunde verliert. Hier bitte ich um ein Gebet für meine Freunde.

Eine gewisse Unruhe herrscht in der Weltkirche, wie wohl der neue Papst Franziskus mit der Reform der Kurie und vielen anstehenden Problemen der Pastoral bei schwindender Priesterzahl in Griff bekommt. Pfarrer Helmut Schüller aus Probstdorf b. Wien,  der einmal Generalvikar in der Wiener Erzdiözese war und von Kardinal Schönborn abgesetzt wurde und auch den Ehrentitel Monsignore verlor, ist derzeit für drei Wochen in USA unterwegs und informiert in vielen Städten der USA  über das Thema anstehender nötiger Reformen innerhalb der Kirche und mit ihm planen die verschiedene Reformgruppen im Herbst ein weltweites Treffen solcher reformorientierter Priestergruppen in Bregenz. Zwar hat die Weltkirche in Asien wie auch in Afrika genügend Priesternachwuchs, aber in Nordamerika wie auch in Westeuropa mangelt es an genügend Priester- und Ordensnachwuchs.

Wiederum danke ich allen Freunden und Bekannten für die Urlaubsgrüße und Lebenszeichen aus Nah- und Fern.

Im Großen und Ganzen bin ich gesund, helfe mit Gottesdiensten und Krankenbesuchen regelmäßig aus und freue mich über Besuche und mache auch gerne solche.

Zu Maria Himmelfahrt bin ich in der Gegend von Mariazell zu einem Gottesdienst und im September wieder in Hasliberg/Meiringen (CH) für zwei Sonntage zur Aushilfe und anschließend in Salzburg St. Virgil bei der Ostkirchentagung der Initiative Christlicher Orient (ICO).

Für heute und die nächste Zeit frohe Urlaubsgrüße, zuversichtliches Gottvertrauen und wie immer

 

Euer Hans Hammer

 

Wer immer gut informiert sein will über die Entwicklung unserer Kirche, dem sei empfohlen im Internet: www. kath.de  oder über Rom: zenit.org

Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro – 22. – 28. Juli 2013

Franziskus bewegt die Kirche mehr als Hunderte von Bischöfen und Kardinälen in Rom und der westlichen Welt.

Wortlos und hilflos steht die Brasilianerin mit den anderen 5 ausgewählten jungen Menschen auf der Bühne des Weltjugendtages und starrt Franziskus an.
Alle eingeübten Worte und Gesten versagen bei der jungen Frau mit 18 Jahren.
Der Papst wartet. Er scheint nicht zu wissen, wie er reagieren soll. Was er sagen soll. Und dann sagt er einfach gar nichts geht auf die Frau zu und nimmt sie in die Arme. Da bricht Jubel unter den Hunderttausenden von Zuschauern am Strand von Rio de Janeiro auf, den kein Regisseur vorausberechnen kann. In Brasilien erfüllt Franziskus das Papstamt mit Körperlichkeit (Die Welt v. 28. 7.)
Die neue Nähe zu den Menschen, wie es die Katholiken seit Menschengedenken nicht mehr kannten. Nicht der gestrenge Lehrmeister ist gefragt, sondern der gutmütige Vater, der die Seinen liebt und in die Arme nimmt. Bilder des Lebens, hundertfach in diesen Tagen zu erleben und erfüllt mit einer Sprache des Herzens, die die Menschen berührt. Und so wird erzählt vom schwarzen Kardinal, der nachts in den Straßen von Buenos Aires einkehrt bei den Armen und Kleinen, den Vergessenen und am Rande der Gesellschaft Lebenden. „Es ist natürlich cool, solches zu erleben, den ersten latein-amerikanischen Papst zu sehen“ so meint Karoline Raß aus Neuruppin – aber noch wichtiger ist für meinen Glauben die Begegnung mit den Jugendlichen“.
Sicher, auch dieser Papst kann keine Wunder wirken und die Welt vergessen lassen, dass vieltausendfache Not und Elend in vielen Teilen dieser Erde herrschen, dass Korruption, Misswirtschaft, Drogen- und mafiose Strukturen weithin Regierungen und Diktaturen die Menschen zur Verzweiflung bringen und noch so schöne Worte dieses ganze Elend nicht beseitigen können. Aber endlich spricht einer nicht von einer gerechteren Welt, sondern von einer gerechteren Kirche und fordert diese auf, sich zu ändern. Endlich mahnt er Reichtum, fürstliches Gehabe von so manchen Bischöfen und Kardinälen an, rät zur Einfachheit, Demut und Bescheidenheit in Lebensstil und geißelt die Prestige- und Karrieresucht so mancher Hierarchen. Erst kommt der Mensch und dann die Politik. Und weil eine Staatspräsidentin auch nur ein Mensch ist, darf man sie ruhig mal eine Stunde warten lassen, wenn Tausende andere Menschen begrüßt werden wollen ((Zeit online v. 28. 7.) So ermahnt er die Politiker, dass sie der Würde des einzelnen Menschen verpflichtet sind. So prangert er auch die weltweite Jugendarbeitslosigkeit im Flugzeug nach Rio des Janeiro an. Am Sonntag vor der Abreise nach Brasilien stimmt er wieder sein Credo eines tätigen Christentums an: „Das Gebet, das nicht zur konkreten Aktion zugunsten des armen, kranken und hilfsbedürftigen Bruders führt, bleibt steril und unvollständig. Also beten allein hilft nicht, Kirche ist nur Kirche, wenn sie sich einmischt.

Setzt Franziskus damit den Weg von Benedikt fort? Lebt der Argentinier vor, was der Deutsche dachte? Nein, das provokative, weltoffene Gebaren des Neuen markiert eine theologische Wende. Wo Benedikt es beim letzten Weltjugendtag 2011 in Madrid noch peinlich vermied, sich zur Wirtschaftsmisere zu äußern, da nutzt Franziskus den Weltjugendtag 2013 in Rio für eine Botschaft an alle: “Ich habe weder Gold noch Silber, aber bringe das Wertvollste, das mir gegeben wurde: Jesus Christus“ Das heißt: Wir haben einen Glauben, der von dieser Welt ist. Wir wollen die Welt verändern. Wir machen wieder Politik. So hat in den vier Monaten seiner Amtszeit Franziskus keine Gelegenheit ausgelassen, sich mit den Notleidenden zu solidarisieren, sich vor den Laien zu verneigen und die klerikale Macht zu kritisieren. Er versuchte seinen eigenen Laden zu bekehren, frei nach dem Vorbild des Franz von Asissi: „Selig, wer sich vor Untergebenen so demütig benimmt, wie wenn er vor seinem Oberen und Herrn stünde“. Aber geht das: Demut an der Spitze der Kirche? Revolution von ganz oben? Sein Gang durch eine Favela, sein Besuch im Armenspital, Sein Treffen mit jungen Strafgefangenen, das ist das Prinzip Franziskus: Hingehen, Zuhören, Einmischen und keine falschen Rücksichten nehmen. So wie er kurz zuvor zu den Flüchtlingen in Lampedusa sprach und handelte.
In seiner Rede an die brasilianischen Politiker und Vertretern aus Kultur und Wissenschaft erinnert er an die Verantwortung:
Brüderlichkeit unter den Menschen ist keine Utopie, unter dieses Thema hat Franziskus seine Rede gestellt.

Die Sehnsucht des Papstes Franziskus

In der Jugend sieht Franziskus die Zukunft und einen Frühling für die Weltkirche in einer Neubesinnung auf Christus hin.

Die Ikone von Aparicedo (Heiligtum der Muttergottes von Brasilien)
Die Altarweihe in der schlichten Kapelle der Favela
Im Armwerden wie Franz von Assisi

sieht Papst Franziskus die fundamentalen Grundlagen der Mission von heute. In dieser Zuversicht hat Franziskus Brasilien verlassen und ist nach Rom heimgekehrt ohne nochmals den Bischöfen ins Gewissen zu reden, Hirten für die am Rande stehenden Menschen zu sein.

 

Hans Hammer

BILD:  UK in Holy See, UsserID: 36247968@N05